Die Dresscode Thematik

5. Januar 2022 5 Von Lalalauramina

Wieso wir beim Dresscode Ausnahmen machen und wieso wir diese vorher nicht ankündigen

Eine erotische Party lebt von einer stimmigen Zusammenstellung der Gäste und von strenger Selektion. Aber eben auch ganz klar davon, wie die Gäste gekleidet sind. Der Dresscode ist ganz entscheidend für die Atmosphäre, die im Raum entsteht.

Stellt euch doch ganz einfach mal folgende Szenarien vor:

  1. ein Raum voller Menschen. Gute Musik, fantastische Location, toller Duft, alles entspricht eurer Vorstellung davon, was euch anmacht. Die Gäste tragen Jeans, Turnschuhe, zwischendrin hat jemand eine Boxershorts, Feinripp und Badelatschen an. Die Mädels tragen Flip Flops und farbige Bikinis oder billige Netzkleider. Zwischendrin die ein oder andere Dame in einem normalen Cocktailkleid oder ein Herr in Anzug.
  2. der gleiche Raum. Alles entspricht eurer Vorstellung von knisternder Atmosphäre. Doch die Gäste tragen komplett andere Bekleidung. Abendkleider, stilvolle Dessous. Ein Herr in Latexcatsuit kommt euch entgegen. Seine Begleitung ist nackt und trägt nur einen Harness (das sind diese stylischen Leder-Geschirre) und dazu Turnschuhe, die offenbar LEDs integriert haben. Auf der Tanzfläche seht ihr einen muskulösen Herren in rotem Schottenrock mit massiven Lederstiefeln, der mit einer Frau in Korsett und transparentem Tüll-Rock tanzt.

Auf einer spannenden kinky Party hat man etwas zum Staunen und Anschauen. Die Gäste machen sich ganz offensichtlich Gedanken über ihr Outfit und geben sich enorm viel Mühe. Die „Doorbitch“ ist streng, aber fair.

Wie das aussehen kann und noch ein paar Tipps für’s erste Mal, erkläre ich euch jetzt einfach mal anhand einer echten Party-Beschreibung.

Dresscode-Beschreibung einer echten kinky Party

Dresscode: Schwarz, Gothic, Lack, Leder, Latex, Fetisch, Uniform, Kinky, Sexy, Frech, Dessous, Glitzer, Korsetts, Korsagen, Glamourös, Stilvoll oder Extravagant.
Es ist allerdings auch ein legeres Outfit in Ordnung z.B. ganz entspannt mit schwarzer Hose und schwarzem Hemd. Es handelt sich um eine Erotik/Fetisch Dance & Playparty und sollte daher einfach zur Party passen. Solltest Du direkt den 80ern entsprungen sein, darfst Du gerne auch als Madonna, Magnum oder Michael Jackson erscheinen. Crazy Outfits sind ebenfalls gerne gesehen.

No-Gos:
Normale Alltagskleidung, blaue Jeans, Sportkleidung, bunte Freizeit- oder Businesshemden, Boxershorts, Unterwäsche, Badeschlappen, Flip Flops, Jeans, Sneaker, Sportschuhe – wir sind schließlich nicht auf der Rennbahn.

Fragwürdige Fälle und Ausnahmen

Adidas-Shirt, schwarze Jeans und Sneakers

Vor mir steht ein Herr in schwarzer Jeans mit schwarzem Adidas-T-Shirt und grau-weißen Sneakers und beruft sich darauf, dass „Schwarz“ doch in der Dresscode-Beschreibung steht. Wollt ihr raten, ob er herein kommt? Nein, kommt er nicht. Denn normale Alltagskleidung steht als No Go im Text. Zudem lässt sein Sport-Shirt schon erahnen, dass er sich nicht wirklich Gedanken und Mühe gemacht hat. Dazu noch die sehr legeren Turnschuhe. Schwarze Anzugschuhe sollte jeder Mann im Schrank haben und ein schwarzes Hemd dazu. Das Argument „habe ich leider nicht zuhause“ ist natürlich ein sehr schwaches und gilt überhaupt nicht. Keine der anwesenden Damen, die er an dem Abend gern beeindrucken würde, hat ihr sexy Outfit für die Arbeit im Schrank gehabt oder läuft in der High Heels im Alltag rum.

Bunte Sportklamotten mit Football-Socken

Zwei Jungs stehen gemeinsam an der Tür. Sie tragen farbige kurze Sporthosen, kniehohe Football-Socken mit der Aufschrift „Mister B“ und knallige Sneaker. Der eine trägt obenrum ein Harness, der andere eine farblich passende Sportjacke. Kommen sie rein? Klares Ja. Mehrere Faktoren, die mir ganz klar sagen, dass die Zwei perfekt in den Club passen. Zum Einen: Mister B ist die bekannteste Marke für Leder- und Sportswear in der Gay-Szene. Auch wenn Sportkleidung als No Go im Dresscode steht machen wir hier eine Ausnahme und zwar mit extrem gutem Gewissen. Denn Sportswear ist in der Gay Szene ein weit verbreiteter Fetisch. Die Sport-Bekleidung die in den No Go’s gemeint ist, ist eine Andere. Da geht es um die langweilige Jogginghose und die Sneaker, in der ich Sonntags Brötchen holen gehe. Zum Anderen ist ihr Outfit schrill und bunt. Auch ein Hetero-Mann wäre in einem solch auffälligen Outfit um einiges lieber gesehen als in einem langweiligen Anzug.

Glänzendes Retro-Hemd, Wetlook-Hose und braune Boots

Er steht vor der Tür, hat verwuscheltes Haar, trägt in einem Ohr einen langen goldenen Ohrring, um seinen Hals eine Perlenkette. Ein glänzendes Oberteil mit schrillem Muster, sowas batikartiges in gold-braun. Untenrum trägt er eine hautenge Wetlook-Hose. Dazu braune Boots. Ich persönlich finde den Style nicht heiß. Aber darum geht’s auch nicht. Auch wenn das Outfit fragwürdig ist, wirkt er wie ein unheimlich spezieller Mensch, der auf der Straße definitiv schräg angesehen wird und die Party bereichern wird. Sein Hemd ist bunt, aber kein Freizeit-Hemd. Ein Freizeit-Hemd wäre eher ein kariertes Baumfäller-Hemd oder ein Hawaii-Hemd. Sein Hemd wirkt an ihm authentisch und eben einfach schrill. Die Hose zeigt mir, dass er sich auf jeden Fall Gedanken gemacht hat. Also kommt er rein.

Klassischer Anzug

Ein Pärchen steht vor der Tür. Sie trägt unter dem offenen Mantel eine Netzstrumpfhose mit einem schwarzen Spitzenbody. Er trägt einen klassischen schwarzen Anzug mit einem weißem Hemd. Beide sind sichtlich nervös und erzählen mir gleich beim reinkommen, dass sie erstmal nach dem Eingang suchen mussten. Sie sind also das erste Mal da. In diesem Fall würde ich definitiv eine Ausnahme machen und den Beiden trotz seiner eher langweiligen Kleidung einen schönen Abend wünschen. Dennoch würde ich ihm charmant erklären, dass er sich vielleicht ein wenig von den anderen Herren inspirieren lassen soll und falls es ihnen gefällt, gebe ich ihm gern ein paar Shopping-Tipps, damit er auch etwas aufregenderes zum Anziehen für die nächste Party findet. Im Anzug wird es schließlich ziemlich warm.

Wer sind die Dresscode-Sünder?

Dresscode-Sünder sind leider wirklich zu 99,9% Herren, daher wird in diesem Text nicht gegendert. In ganz seltenen Fällen sind Frauen falsch gekleidet. Wenn ich recht drüber nachdenke habe ich in all den Jahren in der Grande Opera bewusst noch keine Frau abgewiesen. Ja, langweilig gekleidet oder unspektakulär kommt auch bei Frauen mal vor. Das heißt dann allerdings eher, dass sie ein figurbetontes Sommerkleid mit ein paar hohen Schuhen tragen, als Jeans mit T-Shirt. Es ist wirklich schwerer für Männer, dem Dresscode gerecht zu werden, aber es gibt so viele wirklich coole Möglichkeiten sich zu kleiden. Zudem kann man immer vorher den Veranstalter oder andere Gäste fragen, ob das Outfit angemessen ist.

Machen Clubs einen Unterschied zwischen Single-Herren und Herren, die eine Dame mitbringen?

Ja. Alles andere wäre gelogen. Allerdings kommt es auch stark auf den Club an und auf die Preisstruktur. Clubs, in denen ein Single-Mann 100€ aufwärts Eintritt zahlt, achten natürlich erheblich weniger auf die Kleidung der eben jenen. In der Grande Opera zahlen Frauen und Männer normalerweise ungefähr das Gleiche. Dadurch „brauchen“ wir Single-Herren nicht zum Überleben. Entsprechend selektieren wir um einiges strenger.

Ein Mann, der mit seiner Partnerin kommt, kriegt einen kleinen Bonus, was das Outfit angeht. Beide Augen haben wir deshalb nicht geschlossen und wenn vor dem Pärchen schon 5 Paare da waren, bei dem „Er“ nur einen langweiligen Anzug an hat, kann es sein, dass das 6. Pärchen eines zu viel ist und nicht mehr rein kommt.

Wieso machen wir Ausnahmen?

Wir sind auch nur Menschen und unsere Gäste sind auch nur Menschen. Gerade auf einer kinky Party ist enorm viel Kreativität gefragt, was die Outfitwahl angeht. Und jeder ist irgendwann mal zum ersten Mal auf einer solchen Party. Kommt ein Stammgast zum zweiten Mal in schwarzer Hose und schlecht sitzendem, verknitterten weißen Rüschen-Hemd und wurde vorher schon ein Mal ermahnt, dass der Dresscode für diese Party nicht passt, kommt er beim zweiten Mal vermutlich eher nicht mehr rein. Er hätte sich schließlich beim ersten Dresscode-Faux-Pas, als wir ihn trotzdem hereingelassen haben, von anderen Gästen inspirieren lassen können und danach ein angemessenes Outfit besorgen.

Habt ihr Fragen zum Dresscode oder Lust eure Lieblingsoutfit mit Anderen zu teilen? Schreibt mir auf Social Media! Instagram oder Facebook 

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