Verschiedene Gasttypen an einem Barabend

Ein “normaler” Abend in der Grande Opera

Diesen Artikel habe ich vor Corona geschrieben und bisher noch nicht veröffentlicht, weil er noch nicht ganz fertig war. Derzeit habe ich ja genug Zeit zu schreiben… wir haben natürlich nicht am Wochenende geöffnet um große Partys zu feiern. Zur Zeit sind wir eher ein Restaurant mit frivolem Flair.

Selbst unter den Stammgästen gibt es viele, denen nicht bewusst ist, dass die Grande Opera normalerweise auch unter der Woche geöffnet hat. Die meisten kommen eher am Wochenende zu Events.

Der Mittwoch Abend nennt sich “Tango & Tonic”. Während in einem Bereich der Grande Opera die fleißigen Poledance-Mädels hart am trainieren sind, hört man an der Bar die Tangomusik.  Mal ist Tangokurs, mal freie Milonga, mal spielt sogar eine Liveband. In der Regel ist der Abend jedoch nicht für Tänzer reserviert, sondern es gibt auch einen “normalen” Barbetrieb. Für ein entspanntes Date oder einen ersten Einblick in die Location, gerade wenn neue Gäste viele Fragen haben, ist dieser Abend also hervorragend geeignet.

Man merkt im Laufe der Jahre immer mehr, dass es gewisse “Gasttypen” gibt, die man auf jeder Party oder in jedem Club entdeckt. Auch wenn ich mal privat ausgehe muss ich feststellen, dass es diese klischeehaften Gestalten immer wieder gibt. Ich empfinde es als witzige Idee, euch anhand eines Mittwochs mal ein paar Klischeegäste zu beschreiben. Um eine bessere Idee zu bekommen wie es in solch einem Club hergeht ist das sicher nicht verkehrt. Von den Lesern, die schon länger in der Szene unterwegs sind wüsste ich liebend gern, welche Gasttypen sie auf anhieb wieder erkennen. Vielleicht ja sogar sich selbst. 😀

Der erste Gast

Der erste Gast ist wie immer zu früh. Wir öffnen um 19 Uhr, eine viertel Stunde vorher klingelt es an der Tür. Ich habe noch den Make-Up Pinsel in der Hand, noch meine Straßenkleidung an und die Musik läuft noch nicht. Ich kriege da mittlerweile nicht mehr die Krise, sondern denke mir einfach: “Jo, das ist eben die deutsche Pünktlichkeit.” Sich zu ärgern wäre verschwendete Lebensenergie. Also laufe ich zur Tür und öffne wie immer mit einem strahlenden Lächeln. Ein Gast, der das erste Mal da ist, steht vor der Tür. Nervös. In einem gut sitzenden Anzug. Er trägt ein wohlriechendes Parfum, allerdings ein wenig zu viel davon. Ich erkläre ihm ein wenig hektisch im Türrahmen stehend, dass wir eigentlich noch nicht geöffnet haben, er aber schon einmal hereinkommen dürfe, weil es draußen einfach zu kalt ist. Er darf sich gern schon einmal an die Bar gesellen, aber ich habe noch ein bisschen zu tun bis ich voll für ihn da bin.

Die Tangotänzer

Mittwochs ist Tangokurs. Die meisten der Tänzer sind auch mal am Wochenende in der Grande Opera zu finden, aber es sind immer mal wieder einige dazwischen, die nicht aus der kinky Szene kommen sondern aus der Tanzszene. Bei größeren Milongas ist das noch krasser. Letzte Woche z.B. war ein Pärchen da, die mal wieder einen Tanzkurs belegen wollten. Freunde hatten sie davon überzeugt sich den Kurs in der Grande Opera mal anzusehen. Das befreundete Paar war schon häufiger da und hätten ihnen natürlich die Location zeigen können usw., sie haben den zweien jedoch kurzfristig abgesagt. Und dann standen sie da, etwas unsicher und schauten sich um. In einem ruhigen Moment habe ich die zwei ein wenig durch die Location geführt und all ihre Fragen beantwortet. Ihre neugierige Art zeigte, dass sie zwar sehr überrascht waren, dass es wirklich eine erotisch angehauchte Location ist, aber nicht unbedingt abgeneigt. Es gibt doch immer wieder Leute, die wirklich vorher keine Idee haben was sie erwartet.

Das Paar, welches an der Bar spielt

Eine wunderschöne, junge Blondine mit ihrem Partner. Er würde sie gern mal an eine dominante Frau ausleihen, hat auch schon mal erfragt ob ich nicht Lust hätte, sie zu bespielen. Die Antwort, dass ich zum Arbeiten da bin und nicht für’s Vergnügen fand er natürlich blöd. Er präsentiert sie gern und sie zeigt sich gern. Also erscheint sie meistens recht leicht bekleidet. Heute hatte er einen Flogger dabei und versohlte ihr ein wenig den Arsch an der Bar. Hübscher Anblick. Es macht Spaß, den beiden zuzusehen, weil sie unfassbar frech ist. Ist mir lieber als eine Sub, die nur brav dasteht. Da ist Leidenschaft im Spiel, Machtkämpfchen. Nicht bloß stumpfer Gehorsam. Wobei sicher auch das seine Reize hat.
Irgendwann verschwinden die zwei im Playroom. Nach einer Weile kommen sie wieder. Ihr Kleid komplett nach oben geschoben, als wäre es dafür gemacht sieht es ein wenig aus wie ein schwarzer Bolero. Die blanken Brüste sind sichtbar und niemand stört sich daran. Der ein oder andere Gast an der Bar genießt den Anblick. Man unterhält sich normal weiter während die Blonde an der Bar aufstöhnt. Wieso kann ich nicht erkennen, von hinter der Bar sehe ich die Menschen zur bis zur Brust. Und wo seine Hände gerade sind… wer weiß. Über so etwas mache ich mir keine Gedanken (mehr!).
Zwei Barhocker weiter spricht ein Paar gerade über Erziehungsfragen. Normaler Wahnsinn und so kontrastreich. Das liebe ich ja an meinem Job. Da wird es nie langweilig.

Die Poledance-Strohwitwer

Zwei Herren kommen jeden Mittwoch mit ihren Frauen gemeinsam, die dann zum Poledance-Kurs verschwinden. Jean Christophe (der Besitzer der Grande Opera) versteht sich super gut mit ihnen und sie stehen auf Gin, weshalb es immer in einem riesigen Tasting ausartet. Jean Christophe hat mittwochs Zeit und meistens Lust mal vorzustellen, was er schon wieder Neues angeschafft hat. Ich freue mich immer die Herren zu sehen. Sie bringen gute Laune mit und sind mega freundlich.

Der Mann, der auf Dienstreise abcheckt ob die Location etwas für einen gemeinsamen Besuch mit der Frau ist

(es gibt auch den Dienstreisenden, der allein unterwegs ist, wo die Frau zuhause nichts davon weiß)

Er ist in der Regel gut gekleidet, eloquent, gebildet. Außendienstler oder so, nicht wirklich spannend. Aber ein angenehmer Gast ist er. Unterhält sich an der Bar in der Regel am Liebsten mit dem Barkeeper oder der Barkeeperin, stellt viele Fragen, will wissen, welches Event am Besten zu ihm und seiner Ehefrau passt. Er ist aufrichtig, seine Frau weiß, wo er ist. Es scheint nicht als hätte er ein schlechtes Gewissen als er der Bar der Frau eines anderen Mannes zwischen die Beine fasst (mit deren Erlaubnis natürlich!). Er ist entspannt und genießt die prickelnde Begegnung. Ich vermute er führt mit seiner Frau eine offene Beziehung, sie wird sicherlich auch auf ihre Kosten kommen und sich allein austoben.

Am Ende des Abends gebe ich ihm eine Visitenkarte mit der Homepage meines Blogs und meinen Kontaktdaten, damit sie sich melden könnten, falls sie weitere Fragen haben. Am gleichen Abend noch bekomme ich eine Mail auf Joyclub vom gemeinsamen Paarprofil, in der er sich für die tolle Beratung, den leckeren Drink und die vielen Infos bedankt. Sicher lerne ich in den nächsten Wochen oder Monaten auch seine Partnerin kennen.

Das Play-Grüppchen

Heute sind sie mal zu dritt. Zwei Herren, eine Dame. Ein Ehepaar. Sie ist eigentlich devot. Zumindest ihrem Mann gegenüber. Aber sie hat seit ein paar Monaten auch einen Sklaven, mit dem sie regelmäßig zum Spielen vorbei kommt. Spielen heißt in dem Fall nicht Sex. Sie versohlt ihm den Hintern und sie scheint sich in dieser Rolle recht wohl zu fühlen.

Heute ist ihr Mann mal wieder mitgekommen. Ich freue mich ihn zu sehen, denn er hat sich eine Weile nicht blicken lassen. Viel am arbeiten, wie er berichtet. Sie bestellen drei Drinks und sind weg. Ich mache eine Ausnahme und sie dürfen ihre Gläser mit in die Playrooms nehmen.

Zwei Stunden später kehren sie zurück, mit guter Laune und Durst. Sie nehmen noch einen Drink, dieses Mal etwas antialkoholisches, scheinbar haben sie Durst. Warum auch immer 😉 Kurz darauf zahlen sie und verschwinden.

Das spät-erscheinende Paar, das nach einem schönen Abendessen für’s Dessert vorbei kommt

Eigentlich sind sie gar kein Paar, sondern eine langjährige Affäre. Beide haben einen Ehepartner zuhause. Sowas erfährt man nur an solchen lockeren Barabenden, weil man dann mal Zeit findet, sich in Ruhe mit den Gästen zu unterhalten.

Auch wenn ich für mich entschieden habe, dass vergebene Männer für mich  absolut tabu sind und ich persönlich immer ehrlich bin, verurteile ich das nicht. Ich hatte selbst schon Affären mit verheirateten Männern, aber nachdem ich selbst mal so richtig auf die Schnauze geflogen bin hat sich meine Einstellung dazu geändert.

Wie auch immer. Zurück zum Thema. Die zwei kommen immer relativ spät. Hatten vorher ein entspanntes Date, waren Abend essen und freuen sich nun auf einen kalten Chardonnay. Und ihr Dessert. Sie führen zunächst angeregte Gespräche und kommen später zerzaust aus dem Playroom wieder.

Das First-Date

Beide haben sie ein Profil auf Joyclub oder einer anderen Erotikplattform, haben sich dort kennengelernt und heiße Chats geführt. Man trifft sich in der Grande Opera auf einen Drink, weil es unverfänglich ist. Man ist in der Öffentlichkeit, kann dennoch ein heißes Outfit tragen und intensiv flirten und wenn man Lust aufeinander bekommt, dann kann man anders als in einer “normalen” Bar direkt loslegen. 😉 Muss man aber nicht und fühlt sich zu nichts verpflichtet, anders als z.B. bei einem Hoteldate, wo einer von beiden ja im Endeffekt ein Zimmer gebucht hat und gewisse Erwartungen hat.

Einige Paare verstehen sich und verschwinden auch mal für eine Weile in die Playrooms, andere hingegen führen stundenlang angeregte Gespräche und treffen sich ein paar Tage später wieder.

Viele Paare haben sich bei uns schon kennen und lieben gelernt oder ihre ersten Dates bei uns genossen. Im Laufe der letzten Wochen (während dieser blöden Corona-Krise) habe ich von vielen Paaren Mails erhalten, die uns Mut zusprachen und erzählten, dass sie sich in der Grande Opera kennen und lieben gelernt haben.

Ein Paar, welche ich mittlerweile als Freunde einordnen würde, lernten sich auch bei uns kennen und haben vor ein paar Wochen spontan geheiratet. Sie wollten eigentlich bei einer Party im April ihre Hochzeit groß zelebrieren. Das fiel leider ins Wasser und muss jetzt warten, bis Corona vorbei ist… hoffen wir, dass das schnell geht!

Die Gin-Liebhaber, die mit der Szene nichts am Hut haben

Okay, diesen Gasttyp gibt es sicherlich in einem Swingerclub eher nicht. Mir fällt spontan kein Club ein, der für seine Getränkeauswahl so bekannt ist wie die GO. Korrigiert mich gern, falls euch einer einfällt.

Die Grande Opera jedenfalls ist bekannt für ihre riesige Gin-Auswahl. Ab und zu schneien daher auch mal Gäste rein, die mit der Erotikszene rein gar nichts am Hut haben. Sie haben von Freunden gehört, die häufiger bei uns sind, dass sie diesen speziellen Laden einfach mal besuchen sollten, weil sie von der Gin-Auswahl begeistert wären. Und das sind sie in der Regel auch.

Sie kommen unter der Woche, weil sie mit den hedonistischen Partys keinen Bezug haben. Sie sind zurückhaltend und dezent, elegant gekleidet. Manchmal sind es Paare, die weder mit Joyclub, noch mit Sexdates oder hedonistischen Partys bisher zu tun hatten. Die Paare sind meistens recht neugierig und es kommt auch mal vor, dass sie für längere Zeit im Playroom verschwinden.

Mal sind es Herren, die mit einem Freund kommen. Mir fallen spontan zwei Kumpels ein, die regelmäßig unter der Woche bei mir an der Bar stehen und voller Begeisterung das Gin-Sortiment durchprobieren.

Sie waren noch nie am Wochenende da und auch wenn sie angetan sind, wenn sie unter der Woche mal ein paar prickelnde Situationen mitbekommen, so scheint es nicht, als würden sie tiefer in die Szene rutschen wollen (das klingt so negativ, ist es aber gar nicht gemeint – klingt nach abrutschen. Dabei ist es so schön, tief in der Szene zu sein. Mir fällt nur gerade keine andere Formulierung ein. Ich hoffe, ihr wisst, wie ich das meine). Sie genießen den Abend an einer stilvollen Bar und genießen die riesige Gin-Auswahl gepaart mit spannenden Gesprächen.

Das war’s für heute… habt ihr weitere Gast-Typen, die ihr gern teilen würdet? Beschreibt sie mir gern und ich mache einen zweiten Artikel daraus. Ich bin mir ganz sicher, es gibt viele weitere Gäste, die man beschreiben könnte um sich eine Vorstellung zu machen, wie es so in einem frivolen Club zugeht.

Bis ganz bald…

Eure Laura

 

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